SKT in Äthiopien

Mit Sack und Pack – und vielen Seilen – auf nach Afrika: Auf dieses Abenteuer ließen sich Tom Eckert von Baumflitzer Bamberg und Sebastian Sucker von Kronenläufer Baumpflege, beide Baumkletterer und Ausbilder der Münchner Baumkletterschule, Ende des Jahres ein. In unbekannten Paradiesen bekamen sie es mit unbekannten Bäumen und spannenden Herausforderungen zu tun, denn in Äthiopien findet man europäische Bäume eher selten. Im Fokus dieser Reise standen Avocadobäume und die Unterstützung ortsansässiger Farmer durch die Ausbildung in der SKT, um die Avocadoernte zu erleichtern und effizienter zu gestalten. Trotz sprachlicher Differenzen können Tom Eckert und Sebastian Sucker auf einen erfolgreichen Projekteinstieg zurückblicken, den die GIZ in Auftrag gegeben hat. Mit facettenreichen und vielfältigen Eindrücken bestückt, sind die Pläne für eine Erweiterung und Etablierung des Projekts in vollem Gange.

Video © Sebastian Sucker von Kronenläufer Baumpflege

Ein Bericht von Tom Eckert

August, 2018. Tilo, aus dem Büro der Münchner Baumkletterschule, MBKS, rief an. Recht unvermittelt fragte er mich: „Du warst doch schon mal mehrere Monate in Saudi-Arabien? Hast du eventuell wieder Lust auf ein Auslandsprojekt?“

Es gab eine Anfrage der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Gesucht wird ein Ausbilder-Team, das in das äthiopische Hochland fliegt, um bei Kaffee-Kleinbauern die Seilklettertechnik (SKT) vorzustellen. Bei diesem Projekt soll eine Bio-Avocado-Wertschöpfungskette aufgebaut werden.

Die Ausgangssituation in Äthiopien: Äthiopien ist traditionell ein Land der Landwirtschaft und Viehzucht, und seit April 2018 hat dieses Land einen neuen Premierminister, Abiy Ahmed, der es ernst zu nehmen scheint mit seinem Vorhaben das Land zu verändern, in Richtung demokratischer Grundrechte und in Richtung Frieden mit Eritrea. Gut 85% der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft beschäftigt,die aktuelle äthiopische Regierung forciert die Bewirtschaftung des ländlichen Raumes, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren und mit Exporten Devisen ins Land zu holen. Im Südwesten des Landes steckt der Avocado-Sektor noch in den Kinderschuhen und das große Potenzial wird bei weitem nicht ausgeschöpft. Durch die hervorragenden Anbaubedingungen kommt hochwertige Bio-Rohware auf den Markt, allerdings führen geringe Kenntnisse bei Anbau, Ernte und Verarbeitung zu großen Ernteverlusten. Im laufenden Projekt, welches wir als „tree climbing experts“ betreuen dürfen, möchte die GIZ zusammen mit äthiopischen Partnerunternehmen die Kleinbauern in nachhaltigen Ernte- und Anbaumethoden schulen. Ziel ist es eine Klettereinheit von circa 150 Avocado-Pflückern in der SKT zu unterweisen. Diese sollen einen Grundlohn mit Festanstellung und Boni für extra Kilogramm Avocado  bekommen. Da Avocado-Bäume über die Region verteilt zu unterschiedlichen Zeiten reifen, aufgrund der sehr unterschiedlichen Höhenlagen der kleinen Farmen, könnten über einen längeren Zeitraum von mehreren Monaten diese Pflücker-Teams herumfahren und Avocados ernten. Diese kleinen Farmen bestehen oft nur aus einfachen Lehmhütten und  einigen Kaffeesträuchern, die im Schatten der dort natürlich vorkommenden Avocado-Bäume angebaut werden. Rund um die kleine Stadt Hawassa gehören zu diesem Projekt momentan über 32.500 solcher Kleinbauern. Diese sind wiederum in mehreren genossenschafts-ähnlichen Gemeinschaften organisiert.

Partner der GIZ bei diesem Projekt ist die niederländische  Tradin Organic Agriculture B.V. Diese wiederum hat zusammen mit Kaleb Service Farmers House ein Joint Venture gegründet – das Unternehmen Selet Hulling (hier gibt es ein Video über das Unternehmen). Dieses äthiopische Unternehmen bietet qualitativ hochwertigen, geschälten Bio-Sesam an – verarbeitet zu Öl für den Export. Um die Wertschöpfung zu vergrößern, möchten diese Unternehmen zusätzlich eine lokale Infrastruktur für Bio-Avocado-Öl aufbauen. Dazu wird von Tradin Organic eine Fabrik mit rund 60 neuen Mitarbeitern gestellt, inklusive der notwendigen Ausrüstung. Darüber hinaus bilden die Partner Fachkräfte wie Fabrikmanager, Maschinentechniker, und Personal für die Qualitätssicherung aus. Auch sollen die Abfälle aus der Bio-Avocado-Öl-Produktion weiter genutzt werden, zum Beispiel in Kompostierungsanlagen zu organischem Dünger, oder in Kosmetikzusätzen eingesetzt werden.

Um ihre Produkte weltweit vermarkten zu können, unterstützen die Partner die Kooperativen bei der Bio- und Sozial-Zertifizierung, sowie den Abschluss fairer Kaufverträge. Da Äthiopien die Produktion und Wertschöpfung aus Avocado auf solide Beine stellen will, arbeiten die Partner mit lokalen Institutionen an der Erforschung und Einführung verbesserter Avocado-Sorten, geeigneten Produktions- und Erntetechniken und bauen Baumschulen auf. Beim Punkt „verbesserte Erntetechniken“ kamen wir als „tree climbing experts“ auf den Plan.

Bevor es allerdings losging, musste noch viel geregelt werden: Hier gilt ein großer Dank Gabi aus dem Büro der MBKS! – Sie kämpfte sich durch die komplexen Vertragsunterlagen mit der GIZ und besorgte uns alle möglichen Unterlagen, buchte die Flüge und kümmerte sich um alles Weitere … bis Sebastian Sucker und ich endlich am 18. November 2018 in Frankfurt in den Flieger nach Addis Abeba einsteigen konnten!

In Addis Abeba hatten wir einen rund zehnstündigen Aufenthalt, den wir zur Verarbeitung unseres ersten Kulturschock nutzten. – Für uns beide war es der erste Besuch auf dem afrikanischen Kontinent, der erste Kontakt mit Äthiopien.

Vor dem Terminal der Hauptstadt entschieden wir uns für einen von den zahlreich sich anbietenden Taxifahrern und gaben als Ziel an: Stadtzentrum – in einer 30 Millionen Stadt! Zum Glück konnte unser Taxifahrer etwas Englisch und so blieb er uns für den Rest des Tages Fahrer und Fremdenführer  in einem. Äthiopien, das Land des Kaffees, also fragten wir ihn nach einem gutem Café, das er uns empfehlen könnte. In einem richtigen Stadtzentrum, wie wir erwartet hatten, befanden wir uns zwar nicht und wir waren auch etwas skeptisch, als uns der Taxifahrer in einen Hinterhof führte. Aber tatsächlich dort war ein kleines traditionelles Straßencafé. Die  grünen Kaffeebohnen wurden frisch vor unseren Augen auf dem Feuer geröstet, und mit viel „Zeremonie“ wurde uns ein starker, sehr süßer Kaffee serviert, der sogar mir, als Nicht-Kaffeetrinker, hervorragend schmeckte.

Dann wurden wir von unserm Fahrer noch ins National Museum geführt, über einen traditionellen Markt etwas außerhalb Addis Abebas und er zeigte uns unterwegs noch einige Wahrzeichen der Stadt. Erschöpft von den Eindrücken, und wegen Schlafmangels nach dem Übernacht-Flug, ruhten wir uns die restlichen Stunden bis zum Weiterflug nach Hawassa noch etwas am Flughafen aus.

Beim Landeanflug auf Hawassa, weiter südlich im Land, sahen wir die ersten Farmen der Kleinbauern und einfache Lehmhütten. Der Flughafen in Hawassa: Vom Flugzeug führte ein Grasweg zu einem geschotterten Parkplatz, wo wir auf unser Gepäck warteten. Dort am „Terminal“ sahen wir einen Geländewagen – mit dem GIZ-Logo. Da wir bis dato noch keinerlei Infos hatten, wer uns abholt, wo wir schlafen oder wie es sonst die nächsten Tage weiter gehen sollte, sprachen wir den Fahrer des Geländewagens an. Er wusste alles erst einmal nicht einzuordnen, aber telefonierte beflissen und irgendjemand wusste dann offensichtlich, in welches Hotel wir sollten. Dort angekommen wurde auf unsere Frage, ob wir hier eine Nacht oder mehre bleiben, geantwortet. „As you like, Sir.“ So richtig schien keiner eine verbindliche Auskunft geben zu können oder wollen. Später sollten wir noch feststellen, dass verbindliche Aussagen uns gegenüber generell vermieden wurden. Recht schlau, finde ich, so ist man auch nie in der Verantwortung … Zum Beispiel, wenn wir unseren Fahrer fragten, wann uns dieser am nächsten Morgen abholen würde: „Um 8.00 Uhr?“- „Ok, Sir, as you like.“ – Dabei wusste er es ja, denn er kannte die Planung … – „Oder um 7.00 Uhr?“ – „Ok, Sir, as you like.“ – „Ok, dann um 8.00. Uhr!“ – „Ok, Sir.“  Am nächsten Morgen war er bereits um halb sieben da und wartete. – Den ersten Abend in Äthiopien ließen wir am Ufer des Awa-Sees bei einem Bier ausklingen, umringt von über die „Promenade“ stolzierenden, riesigen afrikanischen Pelikanen.

Am Morgen, nach einem kurzen Frühstück im Hotel,  gingen wir wieder an den See um den traditionellen Kaffee bei einem der kleinen Kaffeestände auf der Straße zu trinken. Von diesen Kaffeeständen gab es alle paar Meter einen –sie bestehen aus einem kleinen Holzofen, auf dem die Bohnen geröstet werden und der Kaffee in besonderen Kannen gekocht wird, und ein paar Plastik-Hockern auf dem Gehweg.

Am Hotel holte uns ein Fahrer der GIZ ab. Dieser Fahrer brachte uns zum Büro der Tradin Organic, wo wir auf deren Landesdirektor und drei weitere Mitarbeiter und zwei Mitarbeiter der GIZ trafen. Dort wurde uns das eigentliche Projekt und das Programm für die kommenden Tage vorgestellt. Natürlich durfte bei unserem kleinen Meeting im Hof der obligatorische Kaffee nicht fehlen – hier auch gleich gern mehrere Runden der Kaffeezermonie. Über unseren Köpfen sprangen kreischend ein paar Affen durch die Bäume, die uns „tree climbing experts“ mal so richtig zeigten, wo es langgeht. Wie schon gesagt, mir als nicht Kaffee-Trinker reichte schon ein Kaffee, um versucht zu sein, den Affen hinter her zu springen – aber bitte Geduld, zuerst mehrere Runden Kaffeezeremonie …

Extrem wach fuhren wir mit dem Geländewagen von Hawassa aus in südlicher Richtung aus der Stadt. Ziel war ein Dorf mit Kaffeekleinbauern circa 70Kilometer entfernt, im Hochland auf etwa 2200 Höhenmeter. Dort war ein Kleinbauer mit seinen drei Avocado-Bäumen ausgewählt geworden, um dort  erste Eindrücke, der von uns genutzten SKT, zu hinterlassen.

Auf dem Weg dorthin wurde die Straße immer enger und unwegsamer. Es ging vorbei an kleinen gemauerten Häusern, Blechhütten und zum Schluss gab es nur noch einfache Lehmhütten. Die letzten Kilometer ging es über unbefestigte Straßen durch eine unbeschreiblich imposante, vielfältige und sehr grüne Hochebene. Am Wegesrand wurde immer wieder wedelnd „Chad“ zum Kauf angeboten, eine Pflanze, die man kaut, und die wohl ähnliche Wirkung wie Opium hat. Unsere zwei weißen Geländewagen fielen hier schon allein auf, aber ganz besonders sobald wir zwei weißen Insassen darin entdeckt wurden – man schaute uns überall mit erstaunt aufgerissenen Augen hinterher. Die letzten Meter bis zur eigentlichen Farm ging es dann noch zu Fuß durch den Busch.

Zunächst waren – auch bei unseren späteren Stopps – wenn wir ausstiegen nur wenige Menschen vor Ort, aber es sprach sich meist sehr schnell herum, dass zwei Weiße da waren. Es kamen von überall Menschen her. Zwischen großen Eukalyptus- und Ficus-Bäumen mit mächtigen Kronen, einige von ihnen mit fast 50 Metern Kronendurchmesser, standen auch unserer ersten zwei Avocado-Bäume. Bis dahin hatten wir noch keine verlässlichen Infos bekommen über deren Größe und Kronenstruktur, abgesehen von zwei verwackelten Handy-Videos, die uns nach Deutschland gemailt worden waren. Am ehesten lassen sich die Avocado-Bäume mit mittelgroßen, um die fünfzehn  Meter hohen, Walnussbäumen vergleichen.

Im Schatten dieser Bäume wachsen die Kaffeebüsche und kleinere palm-ähnliche Wedel, „false bananas“ oder „äthiopische Banane“ genannt. Sie sind eine domestizierte Form der Wildform und nur im höher gelegenen Regenwald des Afrikanischen Horns zu finden. Diese Pflanze liefert Nahrung, das Mark ihres nicht-hölzerner „Stamms“ wird frisch oder getrocknet als Brei – ähnlich wie Porridge – als Grundnahrungsmittel gegessen, die Wurzel und der Stamm dieser Stauden liefert bis zu 40 Kilogramm Nahrungsmittel. Aber auch  die großen Blätter werden als Matratzen, als Viehfutter, als Verpackungsmaterial und zur Dacheindeckung verwendet oder zu Tellern gepresst. In Mischkultur wird Sorghum Hirse, und eben Kaffee angebaut – alles im Schatten der Avocadobäume.

Aus dem Dorf wurden uns zwei einheimische Kletterer und deren Klettertechnik vorgestellt, eben so wie sie üblicherweise den Baum erklettern, um dann die reifen Avocados aus der äußeren Kronenperipherie mit langen Stangen herunterzuschlagen: Mit Hilfe von zwei langen Hanfstricken – die um den Stamm geschleudert und als Trittschlinge abgewürgt genutzt werden – übersteigen sie die ersten astfreien Meter bis zum Kronenansatz. Von dort klettern sie frei bis in die Oberkrone.

Jetzt kam unser Auftritt: Umringt vom ganzen Dorf packte ich unsere Ausrüstung aus. Diese Zeit nutzte Basti geschickt um schnell „einzuwerfen“ und ein Aufstiegseil zu installieren. Mit unseren Auftraggebern war vereinbart, einmal das volle Programm zu demonstrieren, so wie wir es auch in unserem deutschen Arbeitsalltag machen. Schnell waren wir am Aufstiegseil mit flüssigen Kletterbewegungen aufgestiegen und – mit kleinen Hüpfern von Ast zu Ast – sprangen wir durch die Krone. Immer mal wieder lugten wir hier und da aus der Krone und schauten dabei in -zig lachende Gesichter, die dieses Spektakel sichtlich genossen und pflückten hier und da mal ein paar Avocados. – Das besondere an dem Bild, das sich uns von oben aus bot, war, dass wir normalerweise alle im Bodenbereich unter dem Baum sich aufhaltende Menschen mit Helmen ausrüsten müssen. … aber für das ganze Dorf, das den Baum umringte um uns dabei zuzuschauen, hätten weitere fünfzig Helme nicht gereicht!

Anschließend sollten wir mit zwei Männern aus dem Dorf Stück für Stück den Baum erklettern, mit wechselnden Sicherungen, und an ihnen unser für Äthiopien erstelltes Konzept vorführen. Unsere beiden „Probekletterer mit der SKT“ sollten natürlich Helme bekommen!

Also zeigten wir nach unserer Klettertour durch den Avocado-Baum den zwei äthiopischen Kletterern wie man einen Gurt anlegt, außerdem kurz die Funktionsweise des Positioners auf der Kurzsicherung, die Funktion des ZigZags und wie ein Drei-Wege-Karabiner zu öffnen ist. Ein Dolmetscher der GIZ half uns am Boden bei ein paar wichtigen Punkten.

In einer Eins-zu-Eins Betreuung zeigten wir den beiden dann den Wechselaufstieg und das gesicherte Erklettern des Baumes. Oben angekommen, bauten wir mit ihnen den Ringkambium-Schoner ein – und so machten die beiden jungen Männer ihre ersten Höhenmeter am Seil. Durch herausragende körperliche Fitness und Talent – zumindest dieser zwei – ging es auch schon recht schnell in den Außenast-Bereich. Dank ihres guten Körpergefühls und schnellen Vertrauens ins Material wurden so, unter dem lauten Jubel und Gelächter der Menschenmenge unter dem Baum, die ersten Avocados von zukünftigen Anwendern der SKT in Äthiopien gepflückt! Wir hatten den Eindruck, dass die Männer sehr schnell den Vorteil der SKT erkannten – in Bezug auf Sicherheit und auf die Möglichkeit der freien Bewegung im Baum. Nach knapp einer Stunde seilten wir wieder ab. Am Boden bestätigte der Dolmetscher, dass die Männer, die von uns wichtigen Punkte, die wir vermitteln wollten, genauso erkannt hätten und sich einen Einsatz der SKT im Bereich der Avocado-Ernte gut vorstellen könnten. – Sowohl den Mitarbeitern der GIZ und von Tradin Organic, als auch der  Landesdirektors schienen überzeugt. Noch auf dem Feld bot Tradin Organic den beiden Männern einen festen Job in der neu zu gründenden Klettereinheit an. In einem großen Pulk Menschen ging es zurück zu den Geländewagen. Auf dem Weg zurück über die staubige Piste nach Hawassa wurden schon die ersten Konzepte und Ausrüstungsgegenstände diskutiert. Nach einer Einladung zum Abendessen fielen wir mit tausend Eindrücken erschöpft ins Bett.

Die folgenden Tage verliefen recht ähnlich, aber doch irgendwie jedes Mal wieder anders. In jeden Moment wirkten auf uns neue Eindrücke. Und auf den langen Fahrten in den Geländewagen wurde uns, von den äthiopischen GIZ Mitarbeitern, viele Dinge über das Land erzählt. Immer wieder sahen wir zum Beispiel große Werbetafeln, die einen Esel mit verunfallten Karren hinter sich zeigten. Dazu wurde uns erzählt, dass es in Äthiopien drei Regeln für das Halten von Eseln gibt.

  1. Du musst deinen Esel vernünftig füttern.
  2. Ist dein Esel verletzt oder krank, bringe ihn in ein Eselkrankenhaus.
  3. Es gibt eine maximale Zuladungsgrenze für Eselskarren.

Und diese Regeln werden auch recht genau überprüft – somit haben dort die Esel wahrscheinlich ein besseres Leben als viele der Menschen …

Auf dem Weg zu einer weiteren Farm hielten wir auch bei einer der Sammelstellen an. Dorthin bringen um die 2000 Kaffee-Kleinbauern ihren Rohkaffee. An einem Berghang, auf einem riesigen Gelände, wird auf Tischen der Kaffee an der Sonne getrocknet. Freundlich führte man uns in das Büro des Managers und zeigte uns stolz die Listen mit den vielen Tonnen an Kaffee, die dort für unseren Markt in Deutschland für den Export fertig gemacht werden.

Bei einer der Farmen wurden wir schon erwartet, wieder war das ganze Dorf zusammen gelaufen. Flink zeigten uns die Kletterer vor Ort ihre Technik auf den Baum zu kommen. Auch Kinder kletterten mit in den Baum. So kam es dann bei unserer Vorführung dazu, dass auf einmal in gut acht Metern Höhe ein Kind im Außenastbereich saß und mich mit großen Augen anschaute. Wieder war unsere Vorführung ein voller Erfolg und das kurze Training zeigte erneut, dass sich die SKT wahrscheinlich sehr gut in Äthiopien etablieren lässt.

Wir waren nur wenige Tage in Äthiopien und haben dieses Land und deren Bewohner im ersten Moment als etwas zurückhaltend, aber danach umso herzlicher kennen gelernt. Wahrscheinlich musste die anfängliche Scheu vor uns Weißen durch den Kontakt in gegenseitiger Begegnung abgelegt werden – neu für beide Seiten.

Nach vielen Jahren der Baumpflege in Deutschland – bei der wir in vielen Fällen Bäume einkürzen, weil diese den Satellitenempfang des Eigentümers stören, oder ihm die abgeworfenen Blätter lästig sind – ist der Schwerpunkt des Einsatzes von SKT in Äthiopien ein anderer: Mit Hilfe der SKT kann etwas wirklich Nützliches erreicht werden! Durch dieses Projekt sind die Kleinbauern in der Lage den Rohstoff Avocado, der auf ihren Farmen im Überfluss  wächst, effizient und vor allem sicher zu ernten und zu fair gehandeltem Bio-Avocado-Öl für den Weltmarkt zu verarbeiten. Da es sich bei dieser Avocado Sorte nicht um die gleiche handelt, die wir aus unseren europäischen Supermärkten kennen, sind sie aufgrund ihrer etwas weicheren Frucht nicht für den Export als Stückware geeignet.

Das Konzept, das wir vor der Reise erarbeiteten, sah schon von Anfang an vor, dass zwei der fittesten Kletterer die ganze Zeit mit Basti und mir bei den Unterweisungen bleiben und mit uns herumreisen sollen. Somit werden von Anfang an Äthiopier im eigenen Land als Trainer ausgebildet, die die SKT als Multiplikatoren dann weiter verbreiten können.

Wieder zu Hause in Deutschland erstellen wir ein Kurskonzept, welches die für uns wichtigsten Aspekte in einem zwei-tägigen Training zusammenfasst – dazu soll ein kleines Kursskript mit Fotos und mit ein paar, von Freunden übersetzten, Begriffen auf Amharisch erstellt werden.

Eine von uns erstellte Ausrüstungsliste wurde von der GIZ besorgt und bereits nach Äthiopien geflogen. – Für November 2019 sind die ersten Trainings  für 40 Kletterer in Äthiopien geplant.